Bogensport-Lexikon: Fachbegriffe von A bis Z
Von Bogentrainer-Redaktion · · Aktualisiert:
Bogensport hat sein eigenes Vokabular. Wer zum ersten Mal in einem Verein steht oder sich online über Ausrüstung informiert, stößt schnell auf Begriffe wie Spinewert, Tiller oder Let-off. Dieses Lexikon erklärt die gängigsten Fachbegriffe verständlich und praxisnah.
A
Ablass
Der Moment, in dem die Zugfinger die Sehne freigeben. Ein sauberer Ablass (auch "Release" oder "Lösen" genannt) entscheidet maßgeblich über die Schussqualität. Die Finger sollten sich entspannt öffnen, nicht aktiv nach vorne oder zur Seite reißen.
Ankerpunkt
Die feste Stelle im Gesicht, an der die Zughand bei jedem Schuss landet. Typische Ankerpunkte: unter dem Kinn, am Mundwinkel oder am Wangenknochen. Ein reproduzierbarer Ankerpunkt ist Voraussetzung für konstante Treffer. Mehr dazu in der Schusstechnik-Anleitung.
Armschutz
Schutzmanschette aus Leder oder Kunststoff, die den Unterarm des Bogenarms vor der zurückschnellenden Sehne schützt. Besonders Anfänger treffen sich häufig am Unterarm, weil der Bogenarm noch nicht korrekt gedreht wird. Mehr im Armschutz-Ratgeber.
Auszugslänge
Die Distanz vom tiefsten Punkt des Griffstücks bis zum Nockpunkt bei vollem Auszug. Die Auszugslänge bestimmt die passende Bogenlänge und Pfeillänge. Sie wird üblicherweise aus der Armspannweite berechnet (Armspannweite geteilt durch 2,5).
Auszugsgewicht
Synonym für Zuggewicht. Bezeichnet die Kraft in Pfund (lbs), die nötig ist, um die Sehne bis zur vollen Auszugslänge zu ziehen.
B
Befiederung
Die Federn oder Kunststofffahnen (Vanes) am hinteren Ende des Pfeils. Sie stabilisieren den Flug durch Drehung des Schafts. Standard sind drei Federn im 120-Grad-Abstand. Die Leitfeder (oft anders gefärbt) zeigt beim Einnocken vom Bogen weg.
Blankschaft-Test
Methode zur Überprüfung des Pfeil-Tunings. Ein Pfeil ohne Befiederung wird auf eine Scheibe geschossen und sein Einschlagwinkel analysiert. Steckt der Pfeil schräg, stimmt der Spinewert, die Pfeilauflage oder der Nockpunkt nicht.
Bogenarm
Der Arm, der den Bogen hält (bei Rechtshändern der linke Arm). Der Bogenarm sollte leicht nach innen rotiert sein, damit die Sehne am Unterarm vorbeigleiten kann.
Bogenfenster
Die Aussparung im Griffstück oberhalb des Griffs. Durch das Bogenfenster kann der Pfeil näher an der Mittellinie des Bogens geführt werden, was die Treffsicherheit verbessert. Bei Langbögen fehlt das Bogenfenster oft.
Bogenlänge
Die Gesamtlänge des Bogens in Zoll, gemessen entlang der Wurfarme. Die Bogenlänge beeinflusst das Auszugsverhalten: längere Bögen sind fehlerverzeihender, kürzere Bögen kompakter und schneller. Die optimale Bogenlänge hängt von der Auszugslänge ab.
Brace Height (Standhöhe)
Siehe Standhöhe.
C
Clicker
Dünnes Metallplättchen am Bogenfenster, das als Auszugskontrolle dient. Wenn der Pfeil unter dem Clicker durchgezogen wird, schnellt das Plättchen mit einem hörbaren "Klick" auf den Bogen. Das signalisiert dem Schützen, dass der volle Auszug erreicht ist und er lösen kann. Wird vor allem im olympischen Recurve-Schießen verwendet.
Compoundbogen
Bogentyp mit Rollen (Cams) an den Wurfarmenden. Die Cams erzeugen einen Let-off: Im Vollauszug muss der Schütze nur einen Bruchteil des Spitzenzuggewichts halten. Compoundbögen sind sehr präzise und werden mit einem mechanischen Release geschossen. Details im Compoundbogen-Ratgeber.
D
Dacron
Klassisches Sehnenmaterial aus Polyester. Dacron-Sehnen sind dehnbar und schonen dadurch die Wurfarme, weshalb sie bei Holz- und Langbögen empfohlen werden. Nachteil gegenüber modernen Materialien: etwas geringere Pfeilgeschwindigkeit.
Deflex
Bogenbauform, bei der die Wurfarmspitzen im entspannten Zustand zum Schützen hin gebogen sind. Deflex-Bögen sind fehlerverzeihender, speichern aber weniger Energie als Reflex-Bögen.
Draw Weight (Zuggewicht)
Siehe Zuggewicht.
F
Fast Flight
Hochleistungs-Sehnenmaterial aus Dyneema (HMPE). Fast-Flight-Sehnen sind kaum dehnbar und übertragen die Energie effizienter als Dacron. Nicht für alle Bögen geeignet: Ältere Recurvebögen und die meisten Langbögen vertragen nur Dacron, da ihre Wurfarme die höhere Belastung nicht aushalten.
Fingertab
Lederstück, das über die Zugfinger gezogen wird und vor Reibung durch die Sehne schützt. Alternative zum Schießhandschuh. Tabs bieten oft ein besseres Sehnenspürgefühl.
Fletching
Englischer Begriff für Befiederung. Bezeichnet sowohl die Federn/Vanes am Pfeil als auch den Vorgang des Befiederns.
FOC (Front of Center)
Kennzahl für die Schwerpunktlage eines Pfeils. Der FOC gibt an, wie weit der Schwerpunkt vor der geometrischen Mitte liegt (in Prozent der Schaftlänge). Ein FOC von 7–15 % gilt als optimal: Zu wenig FOC führt zu instabilem Flug, zu viel zu einem stark abfallenden Flugbogen.
G
Grain
Gewichtseinheit im Bogensport. 1 Grain = 0,065 Gramm. Spitzen, Nocken und Schaftgewichte werden in Grain angegeben. Ein typischer Feldspitzenaufsatz wiegt 100–125 Grain.
Griffstück (Riser)
Das Mittelstück des Bogens, an dem Griff, Pfeilauflage, Visier und Stabilisator befestigt werden. Bei Takedown-Bögen werden die Wurfarme am Griffstück eingehängt. Materialien: Aluminium (Wettkampf), Holz (traditionell) oder Kunststoff (Einsteiger).
I
Instinktives Schießen
Schießtechnik ohne Visier oder bewusste Zielpunkte. Der Schütze fokussiert das Ziel und lässt Erfahrung und Muskelgedächtnis die Schussrichtung bestimmen. Wird vor allem im traditionellen Bogenschießen mit Langbögen und Reiterbögen praktiziert.
K
Kisser Button
Kleiner Knopf oder Scheibe auf der Sehne, die beim Vollauszug die Lippen berührt. Dient als zusätzlicher taktiler Referenzpunkt für einen konstanten Ankerpunkt.
Klicker
Deutsche Schreibweise für Clicker. Siehe Clicker.
Köcher
Behälter zum Transport und zur Aufbewahrung von Pfeilen. Gängige Typen: Seitenköcher (am Gürtel), Rückenköcher (am Rücken) und Bogenköcher (direkt am Bogen befestigt). Mehr im Köcher-Ratgeber.
L
Langbogen
Traditioneller Bogentyp ohne Recurve-Biegung und meist ohne Bogenfenster. Langbögen sind schlicht, leise und verzeihen weniger Fehler als moderne Recurvebögen. Mehr im Langbogen-Ratgeber.
Let-off
Zuggewichtsreduktion beim Compoundbogen im Vollauszug. Wird in Prozent angegeben. Bei einem 60-lbs-Bogen mit 80 % Let-off hält der Schütze im Vollauszug nur 12 lbs. Das ermöglicht längeres, ruhigeres Zielen.
Lösen
Siehe Ablass. Der Moment, in dem die Sehne freigegeben wird.
M
Mittelwicklung
Verstärkung im mittleren Bereich der Sehne, dort wo der Pfeil eingenockt wird und die Finger greifen. Die Mittelwicklung schützt die Sehne vor Abrieb. Material: meist Nylon oder Polyester-Garn, das eng um die Sehnenstränge gewickelt wird.
N
Nocke
Kunststoffteil am hinteren Pfeilende, das den Pfeil auf der Sehne fixiert. Die Nocke rastet am Nockpunkt ein und sorgt dafür, dass der Pfeil beim Auszug an Ort und Stelle bleibt. Nocken gibt es als Stecknocken (in den Schaft gesteckt) und als Pin-Nocken (auf einen Pin aufgesetzt, vor allem bei Carbonpfeilen).
Nockpunkt
Markierung auf der Sehne, die festlegt, wo der Pfeil eingenockt wird. Der Nockpunkt wird mit einer Klemmhülse oder Wicklung fixiert und bestimmt den Abgangswinkel des Pfeils. Details in der Nockpunkt-Anleitung.
P
Pfeilauflage
Vorrichtung am Bogenfenster, auf der der Pfeil vor dem Schuss aufliegt. Einfache Auflagen bestehen aus einem Kunststoff- oder Metallplättchen. Fortgeschrittene Varianten (z. B. Magnetauflagen, Fallauflagen) bieten besseren Pfeilflug. Mehr im Pfeilauflage-Ratgeber.
Pfeilgeschwindigkeit (fps)
Geschwindigkeit des Pfeils, gemessen in Fuß pro Sekunde (feet per second). Typische Werte: Recurvebogen 150–200 fps, Compoundbogen 280–340 fps. Die Pfeilgeschwindigkeit hängt von Zuggewicht, Auszugslänge, Pfeilgewicht und Sehnenmaterial ab.
Plunger (Buttonknopf)
Federbelasteter Stift, der seitlich ins Bogenfenster geschraubt wird. Der Plunger kompensiert das sogenannte Bogenschützen-Paradoxon: Beim Abschuss biegt sich der Pfeilschaft seitlich um den Bogen herum. Der Plunger dosiert den seitlichen Druck und verbessert so den Pfeilflug.
R
Recurvebogen
Bogentyp, bei dem die Wurfarmenden vom Schützen weg gebogen sind (Recurve-Biegung). Diese Form speichert mehr Energie als ein gerader Wurfarm und erzeugt höhere Pfeilgeschwindigkeiten. Der Recurvebogen ist die Standardbauform im olympischen Bogenschießen. Mehr im Recurvebogen-Ratgeber.
Reflex
Bogenbauform, bei der die Wurfarmspitzen im entspannten Zustand vom Schützen weg gebogen sind. Reflex-Bögen speichern mehr Energie als Deflex-Bögen, reagieren aber empfindlicher auf Technikfehler.
Reiterbogen
Kurzer, leichter Recurvebogen, historisch für das berittene Bogenschießen entwickelt. Reiterbögen sind kompakt (ca. 48–54 Zoll), schnell und einfach zu handhaben. Mehr im Reiterbogen-Ratgeber.
Release (mechanisch)
Auslösegerät für Compoundbögen. Das Release wird an der Sehne oder einer D-Loop befestigt und per Knopfdruck oder Daumenauslöser betätigt. Ein mechanischer Ablass ist sauberer als ein Fingerablass und wird bei Compoundbögen fast ausschließlich verwendet.
S
Schussabwicklung
Die gesamte Bewegungsfolge eines Schusses: Stand einnehmen, Pfeil einnocken, Sehne ziehen, Ankerpunkt finden, Zielen, Lösen, Nachhalten. Eine konstante Schussabwicklung ist der Schlüssel zu reproduzierbaren Treffern. Mehr in der Schusstechnik-Anleitung.
Sehne
Das Verbindungselement zwischen den beiden Wurfarmenden. Die Sehne überträgt die gespeicherte Energie der Wurfarme auf den Pfeil. Gängige Materialien: Dacron (traditionell), Fast Flight/Dyneema (modern). Die Sehne sollte regelmäßig mit Sehnenwachs gepflegt werden.
Sehnenwachs
Wachs auf Bienenwachs- oder Silikonbasis, das auf die Sehnenstränge aufgetragen wird. Es schützt vor Feuchtigkeit, hält die Stränge zusammen und verlängert die Lebensdauer der Sehne. Sollte alle 100–200 Schuss aufgetragen werden. Mehr dazu im Bogenpflege-Ratgeber.
Spinewert
Kennzahl für die Steifigkeit eines Pfeilschafts. Ein niedriger Spinewert (z. B. 300) bedeutet einen steifen Schaft, ein hoher Wert (z. B. 800) einen weichen. Der passende Spinewert hängt vor allem vom Zuggewicht, der Pfeillänge und dem Spitzengewicht ab. Berechnung mit dem Spinewert-Rechner.
Stabilisator
Stange (meist aus Carbon oder Aluminium), die vorne am Griffstück befestigt wird. Der Stabilisator reduziert Vibrationen beim Schuss und verlagert den Schwerpunkt nach vorne, was den Bogen ruhiger in der Hand liegen lässt. Im Wettkampf werden oft zusätzliche Seitenstabilisatoren (V-Bar-System) verwendet.
Standhöhe
Der Abstand zwischen der Sehne und dem tiefsten Punkt des Griffstücks (auch Brace Height genannt). Die Standhöhe beeinflusst Pfeilgeschwindigkeit, Lautstärke und Fehlerverzeihung des Bogens. Typische Werte bei Recurvebögen: 19–23 cm (7,5–9 Zoll). Wird durch Verdrehen der Sehne eingestellt.
T
Takedown
Bauweise, bei der die Wurfarme vom Griffstück abgenommen werden können. Takedown-Bögen sind platzsparend zu transportieren und erlauben den Wechsel auf stärkere oder schwächere Wurfarme, ohne einen neuen Bogen kaufen zu müssen. Die meisten modernen Recurvebögen sind Takedown-Modelle.
Tiller
Die Differenz der Standhöhe zwischen oberem und unterem Wurfarm. Wird am Griffstück gemessen: Abstand Sehne zum Wurfarm-Ansatz oben vs. unten. Ein korrekter Tiller sorgt für gleichmäßigen Abgang des Pfeils.
Tillern
Der Vorgang, bei dem die Wurfarme eines Bogens (besonders bei Eigenbauten) gleichmäßig auf Biegung gebracht werden. Beim Tillern wird Material vorsichtig abgetragen, bis beide Wurfarme sich gleichmäßig biegen.
Trockenschuss
Das Loslassen der Sehne ohne eingelegten Pfeil (englisch: Dry Fire). Die gesamte Energie bleibt im Bogen und kann Wurfarme, Sehne oder Griffstück beschädigen. Trockenschüsse sind der häufigste Grund für Bogenbruch und müssen vermieden werden. Mehr dazu im Sicherheitsratgeber.
V
Visier
Zielvorrichtung am Bogenfenster mit verstellbarem Visierkorn. Ermöglicht präzises Zielen auf verschiedene Distanzen. Im olympischen Recurve-Schießen Standard, beim traditionellen Bogenschießen nicht verwendet. Anfänger profitieren davon, die ersten Wochen ohne Visier zu schießen, um ein Gefühl für den Bogen zu entwickeln.
W
Wurfarm
Die beiden flexiblen Teile des Bogens, die beim Auszug Energie speichern und beim Lösen auf den Pfeil übertragen. Wurfarme bestehen aus laminierten Schichten (Holz, Fiberglas, Carbon) und sind das Herzstück jedes Bogens. Bei Takedown-Bögen lassen sie sich einzeln austauschen.
Wurfarmlänge
Gibt zusammen mit der Griffstücklänge die Gesamtlänge des Bogens an. Gängige Wurfarm-Bezeichnungen: short, medium, long. Bei einem 25-Zoll-Griffstück ergeben kurze Wurfarme einen 66-Zoll-Bogen, mittlere einen 68-Zoll-Bogen und lange einen 70-Zoll-Bogen.
Z
Zuggewicht
Die Kraft in Pfund (lbs), die aufgewendet werden muss, um die Sehne bis zur vollen Auszugslänge zu ziehen. Das Zuggewicht wird bei Recurvebögen bei 28 Zoll Auszug gemessen. Bei längerer oder kürzerer Auszugslänge ändert sich das tatsächliche Zuggewicht. Anfänger sollten mit 20–30 lbs starten. Ausführliche Beratung im Zuggewicht-Ratgeber.
Zughand
Die Hand, die die Sehne zieht (bei Rechtshändern die rechte Hand). Die Zughand bestimmt die Bogenausführung: Rechtshänder schießen einen Rechtshand-Bogen und halten ihn mit der linken Hand (Bogenhand).
Zielscheibe
Scheibe aus Stroh, Schaumstoff oder Ethafoam, auf die Pfeile geschossen werden. Wettkampfscheiben haben konzentrische Ringe mit Punktwertung (10 in der Mitte, 1 am Rand). Für den Heimgebrauch eignen sich Schaumstoffscheiben ab 60 cm Durchmesser. Mehr im Zielscheiben-Ratgeber.
Häufige Fragen
Was ist der Spinewert beim Bogenschießen?
Der Spinewert beschreibt die Steifigkeit eines Pfeilschafts. Je höher das Zuggewicht des Bogens, desto steifer (niedriger Spinewert) muss der Pfeil sein. Ein falscher Spinewert führt zu ungenauem Flugverhalten. Mit dem Spinewert-Rechner lässt sich der passende Wert ermitteln.
Was bedeutet Let-off beim Compoundbogen?
Let-off bezeichnet die Zuggewichtsreduktion im vollen Auszug eines Compoundbogens. Bei 70 % Let-off muss der Schütze im Vollauszug nur noch 30 % des Spitzenzuggewichts halten. Das ermöglicht längeres, ruhigeres Zielen.
Was ist ein Trockenschuss und warum ist er gefährlich?
Ein Trockenschuss (Dry Fire) ist das Loslassen der Sehne ohne eingelegten Pfeil. Die gesamte Energie bleibt im Bogen und kann Wurfarme, Sehne oder Griffstück beschädigen. Trockenschüsse sollten unbedingt vermieden werden.
Was ist der Ankerpunkt beim Bogenschießen?
Der Ankerpunkt ist die feste Stelle im Gesicht, an der die Zughand bei jedem Schuss landet (z. B. unter dem Kinn oder am Mundwinkel). Ein reproduzierbarer Ankerpunkt ist entscheidend für konstante Treffer. Mehr dazu in der Schusstechnik-Anleitung.