Bogensehne wechseln: Wann und wie?
Von Bogentrainer-Redaktion ·
Eine beschädigte oder gestreckte Bogensehne wirkt sich direkt auf Genauigkeit und Leistung aus. Wie oft du sie wechseln musst, woran du Verschleiß erkennst und wie der Austausch funktioniert — das steht hier.
Wann muss die Bogensehne gewechselt werden?
Es gibt keine feste Kilometergrenze. Der Zustand der Sehne entscheidet. Prüf sie vor jeder Session auf diese Zeichen:
- Ausgefranste oder aufgebrochene Fasern — sofort wechseln, Bruchgefahr
- Sehne ist dauerhaft gestreckt — Schuss-Distanz sinkt merklich, Brace Height (Sehnenabstand) hat sich verändert
- Nockenkerbe ausgefressen — Pfeil sitzt nicht mehr sauber, Schüsse variieren stark
- Sehne ist nass und nicht getrocknet worden — bei Naturmaterialien (Damast) sofort prüfen
Als Faustregel gilt: Aktive Schützen (3–5x pro Woche) wechseln die Sehne alle 6–12 Monate. Gelegenheitsschützen kommen oft 2–3 Jahre mit einer Sehne aus.
Die richtige Ersatzsehne finden
| Material | Geeignet für | Eigenschaften |
|---|---|---|
| Fast Flight (Dyneema) | Recurve, Compound | Kaum Dehnung, höhere Pfeilgeschwindigkeit, Standard heute |
| Dacron (B50) | Anfänger-Recurve, Langbogen | Gedämpfter, schonender für ältere Bögen, leicht dehnbar |
| Naturmaterial (Damast) | Traditioneller Langbogen | Historisch authentisch, feuchtigkeitsempfindlich, Pflege nötig |
Wichtig: Nicht alle Bögen vertragen Fast Flight. Ältere Bögen oder solche ohne Verstärkungen an den Wurfarm-Enden (Endlöcher) können durch die höhere Belastung beschädigt werden. Im Zweifel Dacron wählen oder beim Hersteller nachfragen.
Sehne wechseln beim Recurvebogen: Schritt für Schritt
Was du brauchst
- Neue Sehne passend zur Bogenlänge
- Bogenstringer (Sehnenspanner) — Pflicht, nie ohne!
- Sehnenwachs zum Einwachsen der neuen Sehne
Anleitung
- Alte Sehne mit dem Stringer entspannen: Stringer-Kappen über die Wurfarm-Enden stülpen, Bogen nach unten drücken bis die Sehne lose ist, dann aushängen.
- Neue Sehne mit der Schlaufe in die Einkerbung am oberen Wurfarm einhängen.
- Untere Schlaufe locker über das untere Wurfarm-Ende legen.
- Stringer anlegen: Satteltasche auf mittleres Wurfarm, Kappe auf unteres Wurfarm.
- Bogen nach unten drücken bis Sehne gespannt ist, Schlaufe schieben und einhängen.
- Stringer lösen, Brace Height (Sehnenabstand) messen: bei Recurvebögen typischerweise 18–22 cm.
- Neue Sehne einwachsen: Wachs auftragen, zwischen zwei Fingern durchziehen bis warm, 10–15 Minuten einziehen lassen.
Warum kein Bogenstringer eine schlechte Idee ist
Ohne Stringer verdreht sich der Wurfarm beim Aufspannen. Das beschädigt Carbonbögen dauerhaft und kann bei billigeren Bögen zum Bruch führen. Ein Stringer kostet 5–10 Euro und ist Pflichtausrüstung.
Sehne wechseln beim Langbogen
Beim Langbogen funktioniert das Aufspannen klassisch mit der Bein-Methode (Step-through-Methode) oder per Stringer. Die Step-through-Methode ist riskanter und sollte nur von Geübten angewandt werden. Mit einem Stringer ist sie sicherer und schonender für den Bogen.
Langbögen verwenden häufig Dacron-Sehnen. Fast Flight ist hier nur geeignet, wenn der Hersteller es ausdrücklich erlaubt.
Brace Height prüfen nach dem Wechsel
Die Brace Height ist der Abstand zwischen Griffinnenseite und Sehne. Zu gering: Der Pfeil berührt den Griff und fliegt ungenau. Zu hoch: Der Bogen verliert Energie. Herstellerangaben beachten. Du kannst die Brace Height durch Drehen der Sehne (mehr Drehungen = höhere Brace Height) einstellen.
Neue Sehne einschießen
Jede neue Sehne muss eingespielt werden. In den ersten 100–200 Schüssen dehnt sie sich leicht. Danach Brace Height erneut prüfen und ggf. nachdrehen. Erst nach dieser Einspielphase stabilisieren sich die Schüsse.
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